Faktencheck zur Hormonspirale Mirena / Jaydess / Kyleena - Risiko Hormonspirale

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      Faktencheck

Die Werbeversprechen (> Broschüre) der Hormonspirale werden hier unter die Lupe genommen:
1.
Mirena nähme Ihnen / Dir Menstruationsprobleme ab (kürzere, schwächere, schmerzfreie Blutung)
Verschwiegen wird hier, dass im Beipackzettel unter SEHR HÄUFIG nicht nur "verminderte oder ausbleibende Monatsblutungen" steht, sondern ebenso "verstärkte Monatsblutungen". Unter HÄUFIGEN Nebenwirkungen steht "schmerzhafte Monatsblutungen".
2.Keine Blutung zu haben sei medizinisch unbedenklich und habe keinen Einfluss auf einen späteren Kinderwunsch
Ein Ausbleiben der Monatsblutung (Amenorrhoe) ist gynäkologisch grundsätzlich behandlungsbedürftig und als Nebenwirkung im Beipackzettel aufgeführt.
3.Schwangerschaft sei schon im ersten Zyklus nach Mirena wieder möglich
Zahlreiche Frauen berichten, dass sie erst nach Monaten schwanger werden konnten, was an ausbleibenden Eisprüngen liegen kann (siehe Punkt 8). Einige kamen verfrüht in die Wechseljahre oder konnten überhaupt nicht mehr schwanger werden. Aus diesen Gründen war die Hormonspirale ursprünglich für Frauen mit abgeschlossenem Kinderwunsch konzipiert. Es ist nicht nachvollziehbar, warum sie jetzt sogar sehr jungen Frauen eingesetzt wird (auch Jaydess), denn an der grundsätzlichen Problematik - dem stetig sinkenden Progesteronspiegel (Progesteron = Gelbkörperhormon = Schwangerschaftshormon) durch das synthetische Hormon Levonorgestrel - hat sich nichts geändert.  
4.Die Hormonspirale wirke „lokal“
Eine lokale Wirkung ist anatomisch nicht möglich, weil die Gebärmutter eines der am besten durchbluteten Organe ist. Der Wirkstoff geht sofort in den Blutkreislauf und ist bereits eine Stunde nach Einlage im Blut nachweisbar (Seite 8). Der Hersteller weiß offensichtlich, warum er den Begriff „lokal“ in Anführungszeichen setzt. Durch den Begriff "lokal" und durch eine entsprechende schematische Darstellung (Quelle: Mirena-Broschüre Seite 21) wird suggeriert, dass andere Körperbereiche nicht beeinträchtigt würden, was erstens wie gesagt anatomisch nicht möglich ist und zweitens durch die lange Liste der Nebenwirkungen, die alle Körperbereiche - und sogar die Psyche -betreffen widerlegt wird.
5.Es handle sich um sehr geringe Menge Gestagen
Das Gegenteil ist der Fall: die Hormonspirale Mirena gibt täglich soviel Levonorgestrel ab wie zwei Minipillen, wie in diesem Artikel erwähnt wird. Bei Frauen mit verlangsamtem Stoffwechsel (z.B. bei Schilddrüsen-Unterfunktion) kann die tägliche Menge sogar das 6-fache einer Minipille betragen.
6.Sie komme ohne Östrogene aus
Die Schädlichkeit von östrogenhaltigen Kontrazeptiva ist bereits nachgewiesen, doch über die Schädlichkeit und die Langzeitnebenwirkungen von gestagenhaltigen Kontrazeptiva ist noch wenig bekannt.
7.96 % der Anwenderinnen seien zufrieden
Die 96-prozentige Zufriedenheit stammt aus einer Studie von 1994, also noch vor der Einführung der Hormonspirale auf dem deutschen Markt. Langzeitbeobachtungen können also nicht eingeflossen sein.
In einer britischen Untersuchung aus 2007 ließen sich 46 % die Hormonspirale Mirena wegen Nebenwirkungen vorzeitig ziehen. Eine britische Studie zu Jaydess von 2015 kommt zu einem ähnlichen Ergebnis. Dort hielten nur 57 % der Jaydess-Anwenderinnen die vollen drei Jahre durch.
8.Da der Eisprung nicht gehemmt würde, bliebe der natürliche Zyklus und der Hormonhaushalt unbeeinflusst
In einer Mitteilung des Arzneitelegramms von 1997 wurde eine Studie zitiert, bei der festgestellt wurde, dass nur 50 % der Frauen im ersten Jahr der Anwendung das Hormonprofil eines ovulatorischen Zyklus aufwiesen. In dieser Fallstudie kam es bei einer jungen Frau auch zur massiven Hemmung der Ovulation und stark sinkendem Östrogenspiegel. Dadurch wurde Osteoporose ausgelöst.   
9.Hormone der Spirale hätten keine Auswirkung auf die Muttermilch
Die Hormone der Spirale gehen selbstverständlich in die Muttermilch. Der Hersteller behauptet, dass die Menge, nämlich 0,1 % der Dosis unbedenklich sei. Wenn man davon ausgeht, dass tatsächlich sehr viel höhere Mengen des Gestagens ins Blut gelangen (siehe Punkt 5), werden diese 0,1 % nicht stimmen. Einen Nachweis über die Unbedenklichkeit bleibt der Hersteller schuldig. Hingegen wurde in einer Studie aus Chile von 2002 bei Kindern, die unter dem Hormon Levonorgestrel (wie in der Hormonspirale) gestillt wurden eine erhöhte Anfälligkeit für Atemwegsinfekte und Augenentzündungen festgestellt.
10.

Mirena böte vermutlich Schutz vor bestimmten Infektionen
Darüber gibt es keine Nachweise. Deshalb formuliert es der Hersteller auch schwammig mit „Es wird vermutet, dass Mirena einen gewissen Schutz vor bestimmten Infektionen bietet“. In dieser Dissertation von 2011 wird ein Zusammenhang zwischen der Hormonspirale und einem erhöhten Risiko für chronische Infektionen festgestellt.

 
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